Fünfzehntes Kapitel: Tumba nimmt teil am Experiment Condor I

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Experiment Condor I: Fahrt mit Heißluftballon über Nazca

Woodman/Nott in der Gondel des
Woodman/Nott in der Gondel des "Condor 1"

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Flug der Könige

Mit einem aufsehenerregenden Experiment hat der Amerikaner Jim Woodman nachzuweisen versucht, daß südamerikanische Indianer bereits um 500 nach Christus die Technik der Heißballonfahrt beherrschten.

Eine neue Forschungsrichtung in einer alten Wissenschaft macht immer mehr von sich reden: die experimentelle Archäologie.

Jüngstes Beispiel experimenteller Archäologie ist das im Jahre 1975 realisierte Projekt Nazca des Amerikaners Jim Woodman (SPIEGEL 31/1975). Sein Bericht über dieses Unternehmen erschien in deutscher Übersetzung. Jim Woodman: „Nazca“. C. Bertelsmann. München; 212 Seiten..

Die peruanische Nazca-Ebene gehört zu den verwirrendsten archäologischen Rätseln Südamerikas. Im Jahre 1939 nahm der amerikanische Agronom Paul Kosok bei Vermessungsarbeiten in Nazca einige markante Linien auf, die er zunächst für verschüttete Bewässerungsgräben aus der Vor-Inka-Zeit hielt. Als er hinterher den Ertrag seiner kartographischen Aufzeichnungen überprüfte, sah er in seinem Block außer geometrischen Linien auch Tierbilder und abstrakte Symbole.

Doch erst die anschließenden Aufnahmen der peruanischen Luftwaffe riefen die Archäologen auf den Plan. In den Luftbildern waren auf einer Fläche von rund 500 Quadratkilometern 18 kondorähnliche Vogelumrisse deutlich erkennbar. An anderen Stellen ließen sich Reptilien, Spiralen, Blumen, ein Hai, eine Spinne und ein großer Affe ausmachen. Auch verschiedene Dreiecke und Trapezoide waren in den steinigen Boden eingeritzt. Lange parallele Geraden liefen über das weite Tafelland bis zum Horizont. Alles zusammen wirkte wie das Zeichenbrett eines Giganten.

Angelockt von den mysteriösen Funden wurde auch die in Deutschland geborene Mathematikerin Maria Reiche. Sie kam 1946 und blieb. Mit der Pedanterie eines Katasterbeamten entwarf sie ganz allein eine detaillierte Karte der Bodenzeichnungen. Sie photographierte, vermaß und verkartete jede einzelne Linie. 1968 veröffentlichte sie den Ertrag ihres Gelehrtenfleißes in dem Buch „Geheimnis der Wüste“.

Maria Reiche vermutete in den Konstruktionselementen der Figuren und geometrischen Zeichen die Chiffren einer geheimen Wissenschaft, die, entschlüsselt, wichtige Informationen über Zusammenhänge von Wetterlagen, Erdbeben, Sonnenbahn und Sternenlauf hergeben würden.

Mit erheblich mehr Aufwand und Getöse machte ein anderer bald darauf seine spezielle Deutung von Nazca kund: Astro-Spekulant Erich von Däniken. In seinem zweiten Weltbestseller „Zurück zu den Sternen“ ließ er die exterrestrischen Raumfahrer vor rund 10 000 Jahren hier landen. Denn die gigantischen Bilder in Peru hatten ihm „unzweifelhaft den Eindruck einer Flugplatzanlage“ vermittelt.

Die geheimnisvollen Riesenzeichnungen erregten auch das Interesse der „International Explorers Society“ (I. E. 5.), eines 14 000 Mitglieder starken Amateur-Entdeckerklubs. Die I. E. 5. beauftragte Woodman, Farbphotos der prähistorischen Linien und Symbole aus der Luft aufzunehmen.

Als Woodman im Oktober 1973 zum erstenmal die Nazca-Zeichnungen aus der Luft sah, setzte sich in ihm eine fixe Idee fest: Wer diese Zeichnungen, diese frühe „Land Art“, eingeritzt oder herausgescharrt hatte, der müßte selber geflogen sein! Denn wozu diese gigantischen Artefakte. so fragte er sich, wenn deren Schöpfer sie gar nicht erblicken konnten?

Das hatte auch schon Maria Reiche erwogen, nachdem sie während eines Hubschrauberfluges über Nazca festgestellt hatte, daß die Bodenzeichnungen „am besten aus 100 bis 200 Meter Höhe überschaubar“ sind.

Woodman informierte die 1. E. 5. über seine Hypothese. Er glaubte auch zu wissen, wie die Zeichner in die Luft gekommen waren: mit Heißluftballons.

Die Explorers sammelten daraufhin Berichte über primitiv-rituelle Rauchballons, wie sie heute noch zivilisationsferne Indios in Süd- und Mittelamerika bei religiösen Festen aufsteigen lassen. Sie erforschten die Geschichte und Vorgeschichte nach Mustern, und sie gingen den Berichten peruanischer Huaqueros — Grabräubern — von alten Ballondarstellungen auf Grabplatten und Tonscherben nach.

Bei ihren Recherchen fanden die Explorers auch Berichte des portugiesischen Jesuitenpaters Bartolomeu Lourenco de Gusmao, der schon im Oktober 1709 in Lissabon einen Heißluftballon einen Kilometer weit und 20 Meter hoch zum Fliegen gebracht haben soll. Der Jesuit hatte seinen Ballon nach Vorbildern gebaut, die er während einer Missionsreise durch Südamerika entdeckt hatte. Das Fluggerät war aus Baumwolle und Holz gefertigt.

Schließlich beschloß die I.E.S. mit einem Experiment nachzuweisen, „daß die alten Nazcaleute mit Feuer und den Materialien, die sie besaßen, hoch genug fliegen konnten, um die großen Bodenzeichnungen auf den Pampas zu erkennen“.

Nazcagewebe, wie die Expedition sie wohlerhalten in den Leichensäcken der alten Grabfelder von Nazca vorfand, erfüllten in Labortests die für eine Verwendung als Ballonstoff erforderlichen Bedingungen. Die Explorers ließen die Hülle für ihren Riesenballon „Condor I“ nach diesem alten Webmuster anfertigen. Die Gondel fochten Indios auf einer Insel im Titicacasee aus Totora-Binsen, aus denen die Inkas ihre Boote bauten.

Entsprechend den dreieckigen Figuren auf der Nazca-Ebene wurde der riesige Ballon als Tetraeder entworfen. Unter dieser Hülle aus Baumwollstoff sollte die Binsengondel für zwei Mann hängen, 1,5 Meter hoch und 2,5 Meter lang.

Ende November 1975 war es dann soweit. Die Ballonhülle war über einer Rauchgrube gründlich „geräuchert“ worden. Die winzigen Rauchpartikel hatten sämtliche Poren des Stoffes verklebt und zugestopft. Nun konnte die heiße Luft nicht mehr entweichen. Mit fast 2500 Kubikmetern heißer Rauchluft gefüllt, hatte der Ballon die Ausmaße eines zehnstöckigen Hauses.

Nacheinander wurden der Haltering und die vier Gondelleinen losgelassen. Mit sechs Metern pro Sekunde stieg „Condor I“ auf fast 130 Meter Höhe empor. Woodman und sein Kopilot, der englische Rekordballonfahrer Julian Nott, schwebten über der Nazca-Ebene und betrachteten das unglaubliche Labyrinth der Bodenzeichnungen. Minutenlang „waren wir in die Vergangenheit zurückgeflogen, während wir zum Himmel emporgestiegen waren

Der Woodman/Nott-Flug hat bewiesen, daß die legendären indianischen Heißluftballons Menschen hätten transportieren können. Die Theorie der Explorers geht nun dahin, daß die Ballons zu einem Begräbnis-Ritual für Könige gehörten. Sie entführten die Leichen der Herrscher vor den Augen ihres Volkes in die Höhe, zur Sonne — so wie einst ihr Gott Viracocha zur Sonne zurückgekehrt sein soll. Demnach wäre die Nazca-Ebene mit ihren mythischen Zeichnungen nichts anderes als die großartige Anlage eines Totenkults.

Quelle  https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41019662.htmlien

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Bastelanleitung für einen Heißluftballon

Du benötigst:

durchsichtigen Plastikbeutel, Schere, Alufolie, kleine Kerzen, 2 Strohhalme, Schere, Lineal, Filzstift, Klebeband, dünner Faden

Anleitung:

1 Suche dir eine dünne Plastiktüte.Die hierfür am besten geeignete Tüte ist ein dünner, billiger Müllbeutel. Er sollte durchsichtig oder klar sein. Benutze keinen normalen Müllsack, denn der ist zu schwer. 

2 Du kannst deinen Ballon auch drinnen fliegen lassen. Achte darauf, dass du viel Platz hast und dass in dem Zimmer keine Gardinen oder Teppiche sind. Falls der Ballon zu nahe an ihnen landet, könntest du einen Brand auslösen. Ein toller Ort zum Fliegen ist eine Garage oder eine Turnhalle.

3 Schneide ein 10 cm großes Quadrat aus Alufolie aus. Das wird dein Korb. Die Ränder sind scharf, also sei vorichtig.

4 Mache mit einem Filzstift vier Punkte in das Quadrat.Die Punkt sollten jeweils 2,5 cm von den Ecken entfernt sein. Auf diese Punkte stellst du deine Kerzen

5 Nimm zwei Geburtstagskerzen und schneide sie in der Mitte durch.Das macht den Ballon leichter und einfacher zu fliegen.Kratze an zwei der Kerzen das Wachs ab, um den Docht freizulegen. Dir wird aufgefallen sein, dass zwei der Kerzenstücke noch den Docht herausschauen haben und zwei nicht. Kratze mit dem Fingernagel die Spitze der beiden Kerzen ab bis etwas Docht zu sehen ist. Am Ende solltest du vier Mini-Geburtstagskerzen haben.

6 Schmelze mit einem Feuerzeug das untere Ende aller Kerzen und klebe sie auf je einen Punkt.Lasse etwas von dem Wachs auf den Punkt trop-fen. Klebe die Kerze darauf, wenn du eine kleine Wachspfütze hast. Halte die Kerze fest, bis das Wachs fest geworden ist. Wiederhole dasselbe mit den anderen drei Kerzen.

7 Falte die Ränder des Quadrats 0,6 bis 1,2 cm nach oben, um einen Korb anzufertigen.Das hilft dabei, geschmolzenes oder tropfendes Kerzenwachs aufzufangen. Passe auf, dass du dabei nicht gegen die Kerzen stößt. Sie gehen leicht ab.

8 Miss die Länge der Tütenöffnung aus.Lege ein Lineal über die Öffnung der Tüte. Schreibe die Länge auf. So lang müssen die Stäbe für den Rahmen sein. Mache aus Strohhalmen entsprechend dieser Länge zwei Stäbe. Schneide einen kleinen Schlitz ins untere Ende eines Strohhalms, um die beiden Strohhalme miteinander zu verbinden. Schiebe den eingeschnittenen Teil in einen weiteren Strohhalm. Wickle ein Stück Klebeband um die Verbindung herum. Fahre damit fort, bis der Stab genauso lang wie die Tüte breit ist. Schneide den biegsamen Teil ab, falls du Strohhalme zum Biegen verwendest.

9 Setze den Kerzenhalter auf den Strohhalmrahmen.Wenn du auf den Rahmen und den Halter schaust, sollten sich die Kerzen zwischen den Strohhalmen befinden. Das ist sehr wichtig. Falls die Kerzen über den Strohhalmen sind, verbrennt und schmilzt die Hitze die Strohhalme. Es verteilt außerdem das Gewicht falsch.

10 Befestige den Halter mit Klebeband am Rahmen.Nimm ein Stück Klebeband und klebe es unter einen Arm des Xs. Drücke es an den Boden des Halters. Mache dasselbe mit den drei anderen Armen und Seiten des Halters.

11 Klebe die Öffnung der Tüte mit Klebeband an den Rahmen.Klebe eine Ecke der Tüte an eins der Enden des Rahmens. Klebe die gegenüberliegende Ecke der Tüte ans andere Ende des Rahmens. Mache dasselbe mit den beiden anderen Seiten. Jetzt hast du ein quadratisches Loch.

12 Bringe ein langes Stück Schnur am Rahmen an und halte es fest.Du kannst die Schnur auch an einen Tisch, Stuhl oder Zaun binden. Das ist sehr wichtig. Wenn du es nicht tust, könnte der Ballon außer Reichweite fliegen und sich verfangen. Wähle eine dünne, leichte Schnur, wie etwa einen Faden.

13 Stelle den Ballon auf eine flache Unterlage und halte die Tüte über die Kerzen.Versuche, die Tüte so locker wie möglich zu halten. Es ist eventuell einfacher, diesen und den nächsten Schritt zusammen mit einem Freund zu machen.

14 Zünde die Kerzen an.Passe auf, dass du die Kerzen nicht umwirfst oder die Tüte verbrennst. Für diesen Schritt könnte ein langes Stabfeuerzeug am besten geeignet sein. Bitte einen Erwachsenen, die Kerzen für dich anzuzünden, falls du ein Kind bist.

15 Halte die Tüte weiterhin fest, bis sie sich füllt und von allein steht.Das dauert ungefähr eine Minute. Lasse die Tüte los. Zuerst fliegt sie nicht, aber einen Moment später fängt sie an von allein aufzusteigen. Achte darauf, die Schnur festzuhalten oder sie an etwas festzubinden. Der Ballon schwebt, solange die Kerzen brennen.

Video: https://www.youtube.com/watch?v=rIq2ekr4wMQ

Quelle: https://de.wikihow.com/Einen-flugf%C3%A4higen-Mini-Heissluftballon-herstellen